Wer haftet beim Schadensfall
im In- und Ausland?

Durch das Unfallversicherungsschutzgesetz sind Schüler auf Ausflügen und Klassenfahrten versichert.

Wenn Kinder und Jugendliche zusammen mit Lehrern und Erziehern auf Reise gehen, stehen Zusammengehörigkeitsgefühl und gemeinsames Entdecken im Vordergrund. Da denkt niemand so gern daran, dass auch etwas passieren könnte. Aber es ist gut, sich schon vorab zu informieren, wer im Falle eines Unfalls auf einer Klassen- oder Kursfahrt haftet und welche Regeln es zu beachten gilt.

Seit Verabschiedung des Gesetzes über die Unfallversicherung für Schüler und Studenten sowie Kinder in Kindergärten 1971 sind auch Schüler an allgemein bildenden Schulen in den gesetzlichen Unfallversicherungsschutz einbezogen. Dieser Schutz umfasst alle schulischen Aktivitäten und deshalb sind Schüler selbstverständlich auch bei Ausflügen und Klassenfahrten versichert. Kinder und Jugendliche „auf großer Fahrt“ genießen also grundsätzlich den Schutz der gesetzlichen Schülerunfallversicherung. Und das gilt sowohl bei Fahrten im In- als auch ins Ausland.

Es ist jedoch zu beachten: Nicht jede Aktivität auf einer solchen Fahrt ist versichert. Alles, was rein privaten Zwecken dient, wie Nachtruhe, Essenseinnahme oder der Toilettenbesuch, fallen aus dem Versicherungsschutz heraus. Ebenso erlischt der Versicherungsschutz bei Verstößen gegen die Anweisungen der Aufsichtsperson. Verlassen Schüler beispielsweise eigenmächtig die Unterkunft und stößt ihnen dabei etwas zu, haftet die Schüler-Unfallversicherung nicht. Einen Rundum-Versicherungsschutz der Unfallversicherung gibt es bei Schulfahrten nicht.

Vor Beginn der Reise sollten Lehrer und Eltern gemeinsam überlegen, ob die Schüler ausreichend gegen Schäden versichert sind, die außerhalb des Schutzes der Schüler-Unfallsicherung liegen. Private Zusatzversicherungen und eventuell eine private Auslandskrankenversicherung können hier böse Überraschungen vermeiden. Viele Bundesländer empfehlen den Abschluss privater Zusatzversicherungen. In einigen Bundesländern wie z. B. Brandenburg ist der Abschluss einer Auslandkrankenversicherung bei Klassen- oder Kursfahrten sogar vorgeschrieben.

Kommt es zum Schadensfall während der Reise, kümmern sich die Aufsichtspersonen um die Organisation der medizinischen Hilfe und um die Meldung bei der gesetzlichen Unfallversicherung innerhalb von drei Tagen. Im Inland erfolgt die Abrechnung der Ärzte unmittelbar mit den gesetzlichen Unfallversicherungen. Zur Abrechnung von Schadensfällen außerhalb des gesetzlichen Unfallversicherungsschutzes sollten alle Schüler auf Klassenfahrten ihre Krankenversicherungskarte bzw. einen entsprechenden Versicherungsnachweis mit sich führen.

Besonderheiten ergeben sich bei Schadensfällen im Ausland. Mit den meisten europäischen Nachbarländern existieren Abkommen mit Sozialversicherungsträgern, die zu Lasten der deutschen gesetzlichen Unfallversicherung, die Sachleistungen bei Unfällen übernehmen, gehen. Der Leistungsumfang entspricht dabei dem des Inlands.
Aufsichtspersonen der Schulfahrten müssen sich unbedingt vor Reiseantritt über die Anschrift des aushelfenden Sozialleistungsträgers informieren. Außerdem gilt auch im Ausland, dass entstandene Schäden den deutschen Unfallversicherern innerhalb von drei Tagen zu melden sind.
Besteht mit dem Reiseland kein solches Abkommen, müssen Schüler oder Lehrer zunächst selbst in Vorleistung treten und können nach Reiseende die angefallenen Kosten bei den gesetzlichen Unfallversicherungen geltend machen.

Bei Schäden, die außerhalb des gesetzlichen Versicherungsschutzes liegen, können die Schüler die Leistungen ausländischer Sozialleistungsträger nicht in Anspruch nehmen. Für solche Fälle sollten Schüler auf Reisen immer einen Auslandskrankenschein mit sich führen oder sie rechnen entstehende Kosten über eine private Auslandskrankenversicherung ab.