Mobilitätserziehung in der Schule Klasse (1-6)
Der Tote Winkel
Unterrichtseinheit: Toter Winkel - Der Fahrer

An Kreuzungen kommt es manchmal zu schweren Unfällen, weil ein Pkw oder Lkw beim Abbiegen einen Radfahrer übersehen hat. Grund: Der Radfahrer war im „toten Winkel“ des Fahrzeuges. Mit dem Begriff toter Winkel bezeichnet man bestimmte Bereiche vor, neben oder hinter Fahrzeugen, die vom Fahrzeuglenker nicht eingesehen werden können – weder direkt noch mit Hilfe von Spiegeln. Bei Lkws ist diese Gefahrenquelle besonders schwerwiegend. Das Erkennen der anderen erfolgt – wenn überhaupt – in letzter Sekunde.

Vor allem bei Lkws und Bussen gibt es verschiedene Arten "toter Winkel":

  • Schräg rechts hinter dem Lkw bzw. Bus existiert ein großer Bereich, der vor allem für Radfahrer gefährlich ist.
  • Unmittelbar vor sowie auch hinter dem Lkw bzw. Bus sind große Flächen nur mit technischen Hilfsmitteln wie gewölbten Zusatzspiegeln oder mit Videokameras und Monitoren vom Fahrer im Fahrerhaus einsehbar.
  • Links neben dem Fahrzeug entstehen ebenfalls problematische Bereiche, wenn der Fahrer sich nur auf seine Rückspiegel verlässt.

Auch im Schülerverkehr spielt der tote Winkel eine wichtige Rolle. Kinder, die hinter oder vor dem Bus herlaufen, sind ebenso gefährdet, wie Schülerinnen und Schüler, die in einer ungeordneten Gruppe an der Bushaltestelle einsteigen und dem Blickfeld des Busfahrers entzogen sind.


Folgende Lernziele sind mit der Einheit verbunden:
Die Schülerinnen und Schüler sollen …

  • verschiedene tote Winkel im Bereich des Schulbusses erkennen und benennen (rechter Außenspiegel, Vorderfront, Heck des Busses).
  • die Ausmaße des toten Winkels nachmessen und Folgen für ihr Verhalten an der Bushaltestelle formulieren.
  • Regeln zur Vermeidung gefährlicher Situationen im Bereich des toten Winkels aufstellen.


Didaktisch-methodischer Hintergrund
Wie die Unfallzahlen vieler Radfahrer zeigen, können selbst viele Erwachsene den Bereich des toten Winkels bei Fahrzeugen nur schwer einschätzen. Umso wichtiger ist es, bereits bei Kindern ein Bewusstsein für diesen Gefahrenbereich zu entwickeln. Dazu ist es notwendig, den abstrakten Begriff am Beispiel eines Busses zu visualisieren. Wenn die Schülerinnen und Schüler diesen Bereich selbst ausmessen und mit Hilfe eines Seils oder Absperrbandes kennzeichnen, wird ihnen anschaulich bewusst, wie groß der Bereich ist, wo sie vom Busfahrer nicht gesehen werden können. Verstärkt wird der Eindruck, wenn die Kinder selbst den Platz des Fahrers einnehmen und so direkt nachvollziehen können, dass sie den Bereich des toten Winkels nicht einsehen können.
Im Anschluss daran sollten die Kinder selbstständig Konsequenzen für ihr zukünftiges Verhalten an Bushaltestellen formulieren und zur Sicherung als Regeln notieren. Darüber hinaus sollte thematisiert werden, dass der Bereich des toten Winkels auch bei anderen Fahrzeugen, z. B. bei Lkws, existiert und auf Folgen für das Verhalten vor allem im Bereich von Kreuzungen eingegangen werden.


Ablauf der Einheit (Je nach Zeitkontingent)
Materialien: Absperrband (weiß-rot) oder mehrere Seile (ca. 30 m), Steine oder ähnliche Gewichte zur Befestigung der Bänder oder Seile auf der Erde, evtl. große Folie, Kreide, Bus

Schritt 1:
Wichtig ist ausreichend Platz von mindestens doppelter Fahrzeuglänge und etwa 10 m Breite. Die Klasse stellt sich dort auf, wo sich der tote Winkel an der Beifahrerseite des Busses befindet. Ein Kind setzt sich auf den Fahrersitz. Lehrer oder Schüler befestigen das Absperrband an der Spiegelhalterung. Mit dem einen Ende geht ein Schüler an das Heck des Busses. Er geht dicht an den Bus heran, so dass er im Spiegel zu sehen ist. Danach bewegt er sich vom Fahrzeug in Richtung Gruppe weg. Bei jedem Schritt fragt er den Schüler auf dem Fahrersitz, ob er ihn sehen kann. Wenn der Schüler vom Fahrersitz aus nicht mehr gesehen werden kann, legt er das Band ab und befestigt es mit den Gewichten.

Schritt 2:
Jetzt nimmt ein Schüler das andere Ende des Bandes oder Seiles und stellt sich in den Sichtbereich des Schülers auf dem Fahrersitz durch die Eingangstür. Er bewegt sich wieder in Richtung Gruppe und fragt den Schüler auf dem Fahrersitz, ob er ihn sehen kann. Lautet die Antwort Nein, wird auch hier das Seil oder Band abgelegt und befestigt. Die Schülergruppe stellt sich in das gebildete Dreieck. Im Regelfall wird die ganze Klasse dort Platz finden.

Schritt 3:
Nun geht jedes einzelne Kind vom toten Winkel aus auf den Fahrerplatz und guckt in den Spiegel, um den toten Winkel selbst erfahren zu können.

Der tote Winkel kann auch mit Kreide aufgemalt oder mit einer Folie ausgelegt werden. Transportiert man Letztere spiegelverkehrt auf die andere Seite des Busses, lässt sich auch dort der tote Winkel demonstrieren.

Schritt 4:
Im nächsten Schritt wird der tote Winkel an der Vorderfront des Busses ausgemessen. Da dieser bei Niederflurbussen häufig sehr gering ist, muss überlegt werden, ob die Messung in diesem Fall Sinn macht. Entscheidet man sich für eine Messung, geht ein Schüler an der Vorderfront des Busses vorbei, während ein anderer auf dem Fahrersitz sitzt und mitteilt, ab wann er das Kind im Vorderbereich nicht mehr sehen kann. Anschließend zeichnen Schüler oder Lehrer auch diesen Bereich des toten Winkels mit Kreide auf.

Schritt 5:
Mit dem gleichen Verfahren wird nun noch der Bereich des toten Winkels im Heckbereich des Busses aufgezeichnet.

Schritt 6:
Am Ende versammelt sich die Schülergruppe vor dem Bus und erkennt, dass es vier Bereiche des toten Winkels gibt. Als Faustregel wird festgehalten: „Wenn ich den Fahrer nicht sehen kann, kann er mich auch nicht sehen!“ Anschließend formulieren die Schüler und Schülerinnen Konsequenzen für ihr Verhalten an Bushaltestellen. Wichtige Regeln werden notiert.
Der Lehrer sollte dann darauf hinweisen, dass jedes Fahrzeug über diese vier toten Winkel verfügt. Auch hier formulieren Schüler Regeln für ihr Verhalten im Straßenverkehr.