Mobilitätserziehung in der
Schule (Klasse 1-6)
An der Haltestelle
Unterrichtseinheit: Warten ohne Risiko

Haben Kinder den Weg zur Haltestelle erfolgreich gemeistert, müssen sie meist noch einige Zeit auf die Ankunft des Busses warten. Gerade nach Schulende kann diese Zeit für Schüler und Schülerinnen quälend werden. Mussten sie den Vormittag über konzentriert arbeiten, verspüren viele jetzt einen besonderen Bewegungsdrang und nutzen die Zeit zum Spielen, Herumtollen oder Raufen. Da sich nach Unterrichtsende häufig besonders viele Schüler an den Haltestellen aufhalten, kann es zu gefährlichen Situationen kommen.

Haltestellen für Schulbusse können für solche Situationen durch eine großzügige Raumanlage oder Schaffung von Möglichkeiten des Zeitvertreibs besonders gestaltet werden und liegen meist in verkehrsberuhigten Bereichen. Anders sieht es bei Linienbushaltestellen aus, die an dichtbefahrenen Straßen liegen können. Hier kann das Spielen von Kindern zum Risiko werden.

Folgende Lernziele sind mit der Einheit verbunden:
Die Schülerinnen und Schüler sollen …

  • die Gefahren des fließenden Verkehrs an Bushaltestellen erkennen und benennen.
  • erläutern, warum es wichtig ist, beim Warten und Herannahen des Busses genügend Abstand von der Bordsteinkante zu halten.
  • praktisch nachvollziehen und erklären, wo durch Überhang und Ausschwenken des Busses Gefahren liegen, wenn der Bus in die Haltestelle ein- und ausfährt.
  • bei Nutzung des öffentlichen Linienverkehrs die für den Schulweg richtige Haltestelle kennen und auf sicherem Weg ansteuern können.

Didaktisch-methodischer Hintergrund

Warterei und damit verbundene Langeweile führen bei Kindern oft zu unüberlegtem Handeln und Ausblendung von gefährlichen Situationen. Verbote nützen hier wenig, weil Kindern die abstrakte Wahrnehmung potentieller Risiken nur sehr eingeschränkt möglich ist. Deshalb können Schülerinnen und Schüler die Risiken am besten nachvollziehen, wenn man die Gefahrenmomente an der Haltestelle praktisch und spielerisch simuliert, anschließend reflektiert und sichert. Außerdem lassen sich so Verhaltensweisen und Risikobewusstsein einüben. So erkennen die Kinder auch, dass sich das Spiel an der Haltestelle mit einfach zu beachtenden Regeln zu ihrer eigenen Sicherheit kombinieren lässt.

Ablauf der Einheit
Materialien: Pappkartons oder selbst gebastelte Puppen, Zollstock, Kreide

Schritt 1:
In einem Vorgespräch berichten die Kinder zunächst von typischen Verhaltensweisen an einer vollen Haltestelle und ihren Lieblingsbeschäftigungen, die Wartezeit bis zum Eintreffen des Busses zu überbrücken.

Schritt 2:
Im praktischen Teil simulieren die Schülerinnen und Schüler zunächst die typische Situation an einer vollen Haltestelle. Dazu stellen sie sich so, dass sie an der Bordsteinkante stehen und der Bus beim ersten Heranfahren nicht direkt am Bordstein halten kann. Nun können die Kinder anschaulich erleben, welche Verletzungsgefahren und Unbequemlichkeiten durch den Abstand des Busses zum Bordsteinrand beim Einsteigen entstehen.

Schritt 3:
Nun fährt der Bus erneut die Haltestelle an. Dieses Mal stellen die Schülerinnen und Schüler die Pappkartons oder selbst gebastelten Puppen an den Bordstein. Fährt der Bus ein, sehen die Kinder, wie sein Überhang beim Anfahren an die Haltestelle die Pappkartons bzw. Puppen langsam an die Seite schiebt. Danach haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, ihre Eindrücke zu schildern.

Schritt 4:
Nun fährt der Bus wiederum ein, aber nur soweit, dass er den maximalen Überhang erreicht. An dieser Stelle bleibt er stehen. Nun messen die Kinder mit Zollstock die Entfernung, die der Bus über der Borsteinkante überhängt. Jetzt wird mit Kreide der Abstand auf der gesamten Bushaltestelle von der Bordsteinkante aufgezeichnet. Es sollte etwa ein Meter Sicherheitsabstand von der Bordsteinkante herauskommen. Die Kinder sollten diesen Sicherheitsabstand bewusst nachgehen.

Schritt 5:
Die Klasse stellt sich danach hinter dem selbst aufgezeichneten Kreidestrich auf und der Bus fährt heran. Alle können nun problemlos von der Bordsteinkante einsteigen.

Schritt 6:
Die Schritte 3 bis 5 sollten anschließend nochmals bezüglich der Abfahrt des Busses wiederholt werden. Hier geht es um den Ausschwenkbereich des Bushecks. Auch hier sollte ein Messbereich mit einem Sicherheitsabstand von etwa einem Meter herauskommen.

Schritt 7:
In der abschließenden Reflexion wird noch einmal das Vorgespräch aufgegriffen. Die Schülerinnen und Schüler überlegen nun selbstständig, welche Konsequenzen sich aus den Simulationen an der Haltestelle ergeben. Regeln für das richtige Verhalten beim Warten an der Haltestelle tragen zur Sicherung der Ergebnisse bei.